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Ausgewählter Beitrag
Der Eichelhäher ist wieder da

1/3 vom Paradies
Der Eichelhäher ist wieder da. Nun ist es amtlich: Der Herbst ist da und der Winter naht. Den Sommer über verschwindet er mit seiner Liebsten, die er im vorigen Jahr erstmals mitbrachte, aber pünktlicher als der Kalender führt ihn seine biologische Uhr wieder da hin, wo er sich über die kühleren Zeiten bringt. Wer kann es ihm verdenken, dass er
mit Schwung und Eleganz, ganz leicht wie Phönix auf seinen Schwingen wieder auf seinem Lieblingsbaum landend einschwebte, just als ich vor wenigen Minuten den Espresso aufgoss. Da lag noch sachte Dämmerung in der Luft und nicht so helles Sommertageslicht wie auf dem Bild vor einigen Tagen. Im Ganzen "meinen Garten und meine Bäume" zu fotografieren, das gelingt nicht, zumindest nicht ohne ein gutes Weitwinkelobjektiv, das noch nicht zu meinen Utensilien gelangt ist. So habe ich es mal mit dem "linken" Drittel des kleinen Paradieses versucht. Die Sonne stand schon über dem Dach über mir, denn das kleine Paradies mitten in der City geht nach Osten hin und so braucht man seine Zeit, bis man ohne Gegenlicht fotografieren kann. Halblinks in der Mitte steht der eigentlich höchste der Bäume in dieser Baumgruppe, doch er hat im vorletzten Winter und dann noch mal im Sommer bei einem der heftigsten Stürme nochmals Schaden genommen, nur ein paar kahle Zweige erinnern im Sommer daran, die oben herausragen aus der Krone. Im Winter sieht man seine Wunde deutlicher.
Unterhalb der Baumkronen wuselt es in den verschiedenen Büschen und Sträuchern besonders von Herbst bis Frühjahr sichtbar, über den Sommer ein bisserl versteckter von allen möglichen Singvögeln, die dort Sämereien, Beeren und anderes Futter suchen und reichlich finden. Den Amseln muss ich dabei immer rechtzeitig beim Holler zuvorkommen, da sie die Beeren lieben. Und wer genau hinsieht, entdeckt die schwarzglänzenden Früchte im Bild. Ich liebe den Holler aber auch, vor allem als Marmelade. Haselnüsse holen sich die Eichkatzerl, ich lasse sie ihnen auch und hole mir nur ein paar.... das muss einfach sein. Amseln, Spatzen, Grünfinken, Buchfinken, Gimpel, Rotkehlchen, Blau- und Kohlmeisen, ein Spechtpaar, ein Rabenpärchen, ein Elsternpaar, gelegentlich ein Marder, Stare,.... sie finden hier ein "kuschelig" geschütztes dichtes Biotop und reichloich Futter. Auch die dicht gewachsenen Rankpflanzen an der Hausmauer bei uns und an den Balkons zu meiner Rechten, die voluminöse, dichte, buschige Ausmasse angenommen haben im Laufe der Jahre sind nicht nur für Wespen und allerlei Insekten, sondern damit auch für die Singvögel ein Paradies. Und zwischen den Brombeerhecken unter den hohen Bäumen, neben den Holzbänken und den Brennesseln tummeln sich gerne auch Schmetterlinge, die dann immer wieder mal miteinander im Reigen nach oben tanzend zwischen den Baumkronen und über den Hecken auftauchen. Direkt unter meinem Küchenfenster und dem französischen Balkon in meinem daneben liegenden Office haben sich die dort stehenden beiden Holzbänke im Laufe der Jahre marodierend in verwunschen scheinende Symbole der Jahre zuvor verwandelt. Der im (hier nicht sichtbaren mittleren und rechten Drittel des Paradieses liegende Sandkasten ist im Lauf der Jahre durch die Sämereien erst verwildert und dann eingeebnet worden. Dabei hatten die Eigentümer des Hauses bei der Vermietung der Hausverwaltung die goldene Faustregel erteilt: Keine Hunde, aber bitte vorzugsweise Kinder-Familien. Ausser dem besten meiner Söhne gab es in den ersten Jahren dennoch kaum Kinder im Haus und im Nebenhaus. So konnte er im aufblasbaren Planschbecken und sonst nur mit seinen Freunden aus dem Kindergarten spielen. Einige Monate wohnte eine Familie mit einer 2jährigen "Nausikaa" eine Etage tiefer. (Frag mich keiner, was ich davon halte, ein Kind mit einem Namen zu strafen, der hierzulande so ungewöhnlich ist, dass jeder prompt "Gesundheit" wünscht, wenn sie ihn nennt..-..)
So hat der Sandkasten seine Berechtigung wohl einfach irgendwann überdauert und wird nicht vermisst.
Zwei Jahre später kam im EG 3 Etagen tiefer bei uns eine Familie mit "Manuel" dazu, ein Jahr älter als mein Filius, aber da waren die beiden bereits aus dem Sandkastenalter heraus und verbrachten lieber die Zeit zusammen im Zimmer bei allem, was Jungs so Spass macht mit Technik und Spielen. Seit einiger Zeit gibt es nun im Nebenhaus eine kleine Familie mit zwei kleinen Kindern. Aber sie nutzen den so schön verwilderten Garten und auch die Gänseblümchen- und Löwenzahnwiese nie, sondern sind viel unterwegs. Und seit einiger Zeit gibt es nun "Jan" in der Wohnung unter mir und ein kleines Mädchen in der Wohnung auf der anderen Etagenseite eine Wohnung tiefer, von der man aber leider nur sehr selten was sieht. Schade, wo der grosse Garten ein so herrliches Paradies ist.
Als ich so klein war, wohnte ich mit meiner Familie 3 Jahre lang in einer richtigen "Kellerwohnung" mitten in Altschwabing. Küche, Flur, ein Badezimmer mit Waschbecken und Sitzbadewanne, aber ohne WC (das lag vor der Wohnung um die Ecke in einem winzigen Raum kurz vor der Kellertüre zum Hof) und ein Wohnzimmer. Von der Küche gingen zwei, vom Wohnzimmer ein Fenster zu Lichtschächten hinauf in den Hinterhof. Aber der war prima und riesengross und am gegenüberliegenden Ende war auch ein Sandkasten im Schatten der Mauer zum Nachbargrundstück und mit einem "Dach" aus lauter Fliederbüschen, durch die das Sonnenlicht ebens fiel, wie in die Lichtschächte zur Wohnung. Bis die Sonne nachmittags allmählich die Hausmauer des anderen Hauses erreichte. So viele Bäume wie hier gab es dagegen im Hinterhof des Häusercarrees an der Isabella/Hohenzollern/Kurfürstenstrasse nicht. Aber die hatten wir im Luitpoldpark, in dem man halt stattdessen viel ging oder entlang der Isar, zu der man zum Baden fuhr und wo es immer im Sommer so typisch nach Schlamm und Sand und den Ahornbäumen und den Lindenbäumen roch. Oder in den Englischen Garten. Wo mein "Münchner Opa" gern die Leut' tratzte. Wenn er einfach unter einem der dortigen Ahorn- Kastanien- oder anderen Laubbäume stehen blieb, anhaltend, den Kopf mit dem typischen Hut in den Nacken gelegt, nach oben in deren Kronen sah, seinen Spazierstock über den Arm gehängt und laut und vernehmlich immer wieder ausrufend "Mei, was für a scheena Zwetschgenbaum, schaut' s Euch bloss den wunderscheena Zwetschgenbaum an....." Und immer blieben die einen oder anderen der Spaziergänger neben ihm stehen und suchten minutenlang mit den Augen nach dem Obst in den Kronen und zweifelten eher an ihrem als an seinem Verstand. Den er natürlich vollkommen beisammen hatte. Er hatte einfach nur seine Gaudi. Genauso wie dann, wenn er mit mir in Schwabing an den Häusern entlang immer mal wieder gern Klingelstreiche machte. Bis seine Enkelin eines Tages meinte "Opa, jetzt glaub i miass ma renna"...... ;-) Sie hatte zu gut von ihm gelernt....
Was wohl aus kranken, abgeholzten Bäumen gemacht wird... hat Inge gefragt.
Ich weiss nicht, ob aus "meinen" Bäumen irgendwann was gemacht werden wird...muss, ob sie mal so krank werden, dass sie gefällt werden. Ich hoffe nicht. Aber wenn, dann hoffe ich, dass daraus Papier wird. Vielleicht gebunden zu Büchern, die ich wieder gerne lese. In denen Träume und Gedanken und Gedankenspaziergänge zum Eintreten, Verweilen und Umhergehen locken. Vielleicht in einen Garten ? Den in "Elizabeth und ihr Garten" ? Oder einen anderen ? Oder für kriminell spannende Zeilen ? Die Inge immer mal gern liest ? ;-)
Oder für eines der Gedichte von Ringelnatz, Kästner, Roth, Tiger, Panther & Co und andere Wesen, die Tucholsky uns geschenkt hat ? Bücher sind Welten und Paradiese. Oder aber es wird einfach ein Stapel Papier daraus, ein Notizbuch für die kleinen Wichtigkeiten, die denAalltag durchziehen.
Meine anderen Grosseltern haben fast nie Papier gekauft, Notizblöcke. Das war dann schon was Besonderes, für das wir vom Tal hinauf in die kleine Stadt innerhalb der vollständig erhaltenen Stadtmauer gehen mussten, in das kleine Schreibwarengeschäft mit den ungezählten vielen Artikeln und dem ganz eigenen Geruch nach Tinte, Papier, Postkarten, Radiergummis, Zeitungspapier, Klebstoff und vielem anderen. Wo sie dann das Lotto aufgaben, das meine Oma jahrzehntelang spielte und wo sie von Zeit zu Zeit diese durchsichtigen Kugelschreiber mit blauer oder schwarzer Tinte und der ebensofarbigen Kunststoffkappe kauften. Und selten auch mal ein Schreibheft. Da gab es noch diese schwarz eingebundenen Hefte mit altmodischen Namensaufklebern. Und meine Oma führte darin so eine Art Tagebuch. Nicht mit persönlichen Gedanken, aber über manches, das sich ereignete und über das Wetter und Geburten, Hochzeiten, Taufen und anderes. Kleine Chroniken ihrer Welt. Die sie - aufgestellt - nebeneinander in ihrer Schlafstube in einem Fach im Schrank aufbewahrte. Und wenn einer aus der Familie sie mal necken wollte, behauptete er zB, dass es an Ostern in dem und dem Jahr geschneit habe. Sie wusste das auswendig, wie das Wetter an solchen Feiertagen in den einzelnen Jahren war und hielt dagegen und je nach Neck-Lust ärgerete derjenige sie dann eine Weile, bis sie (vorhersehbar) irgendwann in ihre Stube ging und das jeweilige Heft holte und es nachschlug. Natürlich hatte sie recht. Und wenn sie sich dann ertappt fühlte und begriff, dass sie nur geneckt worden war, musste sie selbst lachen. Es war nicht einfach nur Rechthaberei. Es widersprach einfach ihrer Genauigkeit oder Wahrheitsliebe, dass man nun mal nichts Falsches einfach mal so stehen lassen konnte. Aber manchmal war diese Eigenschaft für alle anderen eben doch in anderen Themen "rechthaberisch". Manchmal ist das die Kehrseite der Münze, die man Aufrichtigkeit und Zuverlässigkeit, Verlässlichkeit nennt. Nobody is perfect. Alles andere, wie ihren Einkaufszettel oder Erledigungen kritzelte sie wie auch mein Opa aber auf Papier, das nicht extra gekauft wurde. Wie etwa auf die papierenen Einlagen - ca DIN A 5 gross - in Strumpfpackungen der Firmen "Belinda" und "K*unert* die nur zu deren Stabilität in der transparenten Packung dienten und aus einem einseitig weissem dünnerem Karton bestanden. Sie wurden dann meist in zwei, drei oder vier Stücke zerschnitten und eben genutzt. Ebenso machten Kuverts von Post auf diesem Wege eine zweite Karriere. Und wenn sie und die Notizen darauf dann nicht mehr gebraucht wurden, landeten sie nicht in einem Papierkorb, sondern wurden "eingeschürt" im Holz - und Kohleofen, der zusätzlich zum Gasofen in der Wohnkuchl stand. Oder in der grossen, sehr dunklen und aussen blankglatten Holzkiste zu den Zeitungen, dem Reisig, dem Holz und den Kohlen gepackt, die später zum Anfeuern genutzt wurden. Und auf der ich so gern sass , neben dem Ofen.
Wer Holz zum Einschüren braucht und die Natur wie meine Grosseltern liebt(e) und so viel es ging, sich dort aufhielt, der vergeudete kein Holz und kein Papier. Nicht nur aus finanzieller Sparsamkeit. Man vergeudete einfach nichts aus der Natur einfach so. Eine ganz einfache Form der Ökologie. Schlicht aus Liebe zu der Natur. Und aus Respekt.
In meinem Beruf kommt man nicht umhin, viel Papier zu verwenden. Aber eines konnte ich nie ablegen: Was nicht amtlich oder postalisch nach draussen geht, sondern "nur" intern zum Schreiben gebraucht wird, kann auch auf Fehlkopien und deren Rückseite genutzt werden. Und Einkaufszettel, Notizen etc landen auch bei mir noch immer auf Kuverts von Werbeschreiben. Kuverts anderer Posteingänge müssen (beruflich bedingt) grundsätzlich immer in der Ablage und den Akten mit dem Schreiben abgeheftet werden, weil sie für Fristen und deren Berechnung weiterleben. Aber Werbepostkuverts sind so wenigstens nicht nur überflüssige Belästigung mit direktem Weg in die "Rundablage" Papierkorb. Wenn ich ihren Versand durch den Absender und den Eingang bei mir schon nicht verhindern kann. Nein, ........für mich müssen nicht mehr als zwingend nötig Bäume fallen. Obwohl ich Bücher liebe.
Und meine Bäume bleiben hoffentlich noch lange stehen. ;-)
Unterhalb der Baumkronen wuselt es in den verschiedenen Büschen und Sträuchern besonders von Herbst bis Frühjahr sichtbar, über den Sommer ein bisserl versteckter von allen möglichen Singvögeln, die dort Sämereien, Beeren und anderes Futter suchen und reichlich finden. Den Amseln muss ich dabei immer rechtzeitig beim Holler zuvorkommen, da sie die Beeren lieben. Und wer genau hinsieht, entdeckt die schwarzglänzenden Früchte im Bild. Ich liebe den Holler aber auch, vor allem als Marmelade. Haselnüsse holen sich die Eichkatzerl, ich lasse sie ihnen auch und hole mir nur ein paar.... das muss einfach sein. Amseln, Spatzen, Grünfinken, Buchfinken, Gimpel, Rotkehlchen, Blau- und Kohlmeisen, ein Spechtpaar, ein Rabenpärchen, ein Elsternpaar, gelegentlich ein Marder, Stare,.... sie finden hier ein "kuschelig" geschütztes dichtes Biotop und reichloich Futter. Auch die dicht gewachsenen Rankpflanzen an der Hausmauer bei uns und an den Balkons zu meiner Rechten, die voluminöse, dichte, buschige Ausmasse angenommen haben im Laufe der Jahre sind nicht nur für Wespen und allerlei Insekten, sondern damit auch für die Singvögel ein Paradies. Und zwischen den Brombeerhecken unter den hohen Bäumen, neben den Holzbänken und den Brennesseln tummeln sich gerne auch Schmetterlinge, die dann immer wieder mal miteinander im Reigen nach oben tanzend zwischen den Baumkronen und über den Hecken auftauchen. Direkt unter meinem Küchenfenster und dem französischen Balkon in meinem daneben liegenden Office haben sich die dort stehenden beiden Holzbänke im Laufe der Jahre marodierend in verwunschen scheinende Symbole der Jahre zuvor verwandelt. Der im (hier nicht sichtbaren mittleren und rechten Drittel des Paradieses liegende Sandkasten ist im Lauf der Jahre durch die Sämereien erst verwildert und dann eingeebnet worden. Dabei hatten die Eigentümer des Hauses bei der Vermietung der Hausverwaltung die goldene Faustregel erteilt: Keine Hunde, aber bitte vorzugsweise Kinder-Familien. Ausser dem besten meiner Söhne gab es in den ersten Jahren dennoch kaum Kinder im Haus und im Nebenhaus. So konnte er im aufblasbaren Planschbecken und sonst nur mit seinen Freunden aus dem Kindergarten spielen. Einige Monate wohnte eine Familie mit einer 2jährigen "Nausikaa" eine Etage tiefer. (Frag mich keiner, was ich davon halte, ein Kind mit einem Namen zu strafen, der hierzulande so ungewöhnlich ist, dass jeder prompt "Gesundheit" wünscht, wenn sie ihn nennt..-..)
So hat der Sandkasten seine Berechtigung wohl einfach irgendwann überdauert und wird nicht vermisst.
Zwei Jahre später kam im EG 3 Etagen tiefer bei uns eine Familie mit "Manuel" dazu, ein Jahr älter als mein Filius, aber da waren die beiden bereits aus dem Sandkastenalter heraus und verbrachten lieber die Zeit zusammen im Zimmer bei allem, was Jungs so Spass macht mit Technik und Spielen. Seit einiger Zeit gibt es nun im Nebenhaus eine kleine Familie mit zwei kleinen Kindern. Aber sie nutzen den so schön verwilderten Garten und auch die Gänseblümchen- und Löwenzahnwiese nie, sondern sind viel unterwegs. Und seit einiger Zeit gibt es nun "Jan" in der Wohnung unter mir und ein kleines Mädchen in der Wohnung auf der anderen Etagenseite eine Wohnung tiefer, von der man aber leider nur sehr selten was sieht. Schade, wo der grosse Garten ein so herrliches Paradies ist.
Als ich so klein war, wohnte ich mit meiner Familie 3 Jahre lang in einer richtigen "Kellerwohnung" mitten in Altschwabing. Küche, Flur, ein Badezimmer mit Waschbecken und Sitzbadewanne, aber ohne WC (das lag vor der Wohnung um die Ecke in einem winzigen Raum kurz vor der Kellertüre zum Hof) und ein Wohnzimmer. Von der Küche gingen zwei, vom Wohnzimmer ein Fenster zu Lichtschächten hinauf in den Hinterhof. Aber der war prima und riesengross und am gegenüberliegenden Ende war auch ein Sandkasten im Schatten der Mauer zum Nachbargrundstück und mit einem "Dach" aus lauter Fliederbüschen, durch die das Sonnenlicht ebens fiel, wie in die Lichtschächte zur Wohnung. Bis die Sonne nachmittags allmählich die Hausmauer des anderen Hauses erreichte. So viele Bäume wie hier gab es dagegen im Hinterhof des Häusercarrees an der Isabella/Hohenzollern/Kurfürstenstrasse nicht. Aber die hatten wir im Luitpoldpark, in dem man halt stattdessen viel ging oder entlang der Isar, zu der man zum Baden fuhr und wo es immer im Sommer so typisch nach Schlamm und Sand und den Ahornbäumen und den Lindenbäumen roch. Oder in den Englischen Garten. Wo mein "Münchner Opa" gern die Leut' tratzte. Wenn er einfach unter einem der dortigen Ahorn- Kastanien- oder anderen Laubbäume stehen blieb, anhaltend, den Kopf mit dem typischen Hut in den Nacken gelegt, nach oben in deren Kronen sah, seinen Spazierstock über den Arm gehängt und laut und vernehmlich immer wieder ausrufend "Mei, was für a scheena Zwetschgenbaum, schaut' s Euch bloss den wunderscheena Zwetschgenbaum an....." Und immer blieben die einen oder anderen der Spaziergänger neben ihm stehen und suchten minutenlang mit den Augen nach dem Obst in den Kronen und zweifelten eher an ihrem als an seinem Verstand. Den er natürlich vollkommen beisammen hatte. Er hatte einfach nur seine Gaudi. Genauso wie dann, wenn er mit mir in Schwabing an den Häusern entlang immer mal wieder gern Klingelstreiche machte. Bis seine Enkelin eines Tages meinte "Opa, jetzt glaub i miass ma renna"...... ;-) Sie hatte zu gut von ihm gelernt....
Was wohl aus kranken, abgeholzten Bäumen gemacht wird... hat Inge gefragt.
Ich weiss nicht, ob aus "meinen" Bäumen irgendwann was gemacht werden wird...muss, ob sie mal so krank werden, dass sie gefällt werden. Ich hoffe nicht. Aber wenn, dann hoffe ich, dass daraus Papier wird. Vielleicht gebunden zu Büchern, die ich wieder gerne lese. In denen Träume und Gedanken und Gedankenspaziergänge zum Eintreten, Verweilen und Umhergehen locken. Vielleicht in einen Garten ? Den in "Elizabeth und ihr Garten" ? Oder einen anderen ? Oder für kriminell spannende Zeilen ? Die Inge immer mal gern liest ? ;-)
Oder für eines der Gedichte von Ringelnatz, Kästner, Roth, Tiger, Panther & Co und andere Wesen, die Tucholsky uns geschenkt hat ? Bücher sind Welten und Paradiese. Oder aber es wird einfach ein Stapel Papier daraus, ein Notizbuch für die kleinen Wichtigkeiten, die denAalltag durchziehen.
Meine anderen Grosseltern haben fast nie Papier gekauft, Notizblöcke. Das war dann schon was Besonderes, für das wir vom Tal hinauf in die kleine Stadt innerhalb der vollständig erhaltenen Stadtmauer gehen mussten, in das kleine Schreibwarengeschäft mit den ungezählten vielen Artikeln und dem ganz eigenen Geruch nach Tinte, Papier, Postkarten, Radiergummis, Zeitungspapier, Klebstoff und vielem anderen. Wo sie dann das Lotto aufgaben, das meine Oma jahrzehntelang spielte und wo sie von Zeit zu Zeit diese durchsichtigen Kugelschreiber mit blauer oder schwarzer Tinte und der ebensofarbigen Kunststoffkappe kauften. Und selten auch mal ein Schreibheft. Da gab es noch diese schwarz eingebundenen Hefte mit altmodischen Namensaufklebern. Und meine Oma führte darin so eine Art Tagebuch. Nicht mit persönlichen Gedanken, aber über manches, das sich ereignete und über das Wetter und Geburten, Hochzeiten, Taufen und anderes. Kleine Chroniken ihrer Welt. Die sie - aufgestellt - nebeneinander in ihrer Schlafstube in einem Fach im Schrank aufbewahrte. Und wenn einer aus der Familie sie mal necken wollte, behauptete er zB, dass es an Ostern in dem und dem Jahr geschneit habe. Sie wusste das auswendig, wie das Wetter an solchen Feiertagen in den einzelnen Jahren war und hielt dagegen und je nach Neck-Lust ärgerete derjenige sie dann eine Weile, bis sie (vorhersehbar) irgendwann in ihre Stube ging und das jeweilige Heft holte und es nachschlug. Natürlich hatte sie recht. Und wenn sie sich dann ertappt fühlte und begriff, dass sie nur geneckt worden war, musste sie selbst lachen. Es war nicht einfach nur Rechthaberei. Es widersprach einfach ihrer Genauigkeit oder Wahrheitsliebe, dass man nun mal nichts Falsches einfach mal so stehen lassen konnte. Aber manchmal war diese Eigenschaft für alle anderen eben doch in anderen Themen "rechthaberisch". Manchmal ist das die Kehrseite der Münze, die man Aufrichtigkeit und Zuverlässigkeit, Verlässlichkeit nennt. Nobody is perfect. Alles andere, wie ihren Einkaufszettel oder Erledigungen kritzelte sie wie auch mein Opa aber auf Papier, das nicht extra gekauft wurde. Wie etwa auf die papierenen Einlagen - ca DIN A 5 gross - in Strumpfpackungen der Firmen "Belinda" und "K*unert* die nur zu deren Stabilität in der transparenten Packung dienten und aus einem einseitig weissem dünnerem Karton bestanden. Sie wurden dann meist in zwei, drei oder vier Stücke zerschnitten und eben genutzt. Ebenso machten Kuverts von Post auf diesem Wege eine zweite Karriere. Und wenn sie und die Notizen darauf dann nicht mehr gebraucht wurden, landeten sie nicht in einem Papierkorb, sondern wurden "eingeschürt" im Holz - und Kohleofen, der zusätzlich zum Gasofen in der Wohnkuchl stand. Oder in der grossen, sehr dunklen und aussen blankglatten Holzkiste zu den Zeitungen, dem Reisig, dem Holz und den Kohlen gepackt, die später zum Anfeuern genutzt wurden. Und auf der ich so gern sass , neben dem Ofen.
Wer Holz zum Einschüren braucht und die Natur wie meine Grosseltern liebt(e) und so viel es ging, sich dort aufhielt, der vergeudete kein Holz und kein Papier. Nicht nur aus finanzieller Sparsamkeit. Man vergeudete einfach nichts aus der Natur einfach so. Eine ganz einfache Form der Ökologie. Schlicht aus Liebe zu der Natur. Und aus Respekt.
In meinem Beruf kommt man nicht umhin, viel Papier zu verwenden. Aber eines konnte ich nie ablegen: Was nicht amtlich oder postalisch nach draussen geht, sondern "nur" intern zum Schreiben gebraucht wird, kann auch auf Fehlkopien und deren Rückseite genutzt werden. Und Einkaufszettel, Notizen etc landen auch bei mir noch immer auf Kuverts von Werbeschreiben. Kuverts anderer Posteingänge müssen (beruflich bedingt) grundsätzlich immer in der Ablage und den Akten mit dem Schreiben abgeheftet werden, weil sie für Fristen und deren Berechnung weiterleben. Aber Werbepostkuverts sind so wenigstens nicht nur überflüssige Belästigung mit direktem Weg in die "Rundablage" Papierkorb. Wenn ich ihren Versand durch den Absender und den Eingang bei mir schon nicht verhindern kann. Nein, ........für mich müssen nicht mehr als zwingend nötig Bäume fallen. Obwohl ich Bücher liebe.
Und meine Bäume bleiben hoffentlich noch lange stehen. ;-)
Sandmuschelchen 26.08.2008, 05.30
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Kommentare zu diesem Beitrag








Aaaaah, war das schön alles zu lesen!!! Ich glaub, ich les es noch mal von vorn, denn bei mir sind auch schon die Eichelhäher beim Garten und sogar in der Stadt und die Eichhörnis sind auch schon da und plündern die Walnussbäume, die hier in der Umgebung angepflanzt wurden.
vom 26.08.2008, 17.43
Hallo Ingelein,.... das freut mich aber, dass Du so gemütlich mit mir durch den Garten geschlendert bist ! Hoffentlich bleiben Dir aber noch ein paar Walnüsse.... ;-)