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Niemand wird bestreiten, dass die Informations- und Pressefreiheit ein unschätzbar hohes Gut sind. Darüber bedarf es als solches absolut keiner Diskussion. Es ist offenkundig, dass die folgenden Fragen und Meinung gegen den Wind, den Strom gesprochen werden.

Aber nicht alles MUSS wirklich veröffentlicht werden. Ja, es gibt absolute und relative Personen der Zeitgeschichte. Und es gibt ein Interesse der Öffentlichkeit an vielem.

Aber - es stünde auch einer Öffentlichkeit, die allöffentlich und durch jedwede Kanäle von Blogs und social media ihr Mitgefühl verbalisiert, nicht schlecht zu Gesichte, wenn dieses nicht ein blosses Lippenbekenntnis bliebe. Sondern mit dem erklärten auch ein gelebtes Mitgefühl für einen Verstorbenen und seine Angehörigen einherginge. Raum, Zeit und echtes Mitgefühl für Pietät, Trauer, Anstand und Respekt vor Grenzen zu belassen. Nicht zu geben. Denn diese sollten ausser Frage originär bei den Betroffenen liegen. Sondern Raum, Zeit und Grenzen zu belassen, die eigentlich selbstverständlich sein sollten. ICH möchte den Inhalt des Abschiedsbriefes von Robert Enke nicht wissen. Das ist kein Mangel an Interesse. Im Gegenteil. Wer sich in das Empfinden eines Menschen, der aus dem Leben geht, sein Bedürfnis, für sich Privatsphäre bis zuletzt zu wahren und in das von Angehörigen mitfühlend versetzt, KANN sich nicht wünschen, dass etwas so Privates, so Letztgültiges wie ein Abschiedsbrief über den Kreis derjenigen Personen hinaus öffentlich, presseöffentlich wird, den es etwas angeht. Da, wo kein Fremdverschulden auch nur ansatzweise bestehen kann, ist nicht ersichtlich, warum mehr als die Angehörigen, die es betrifft und allein angeht und maximal die mit den Ermittlungen zwangsläufig befassten Personen den Inhalt eines solchen Briefes kennen müssten, sofern nicht derjenige, der den Brief hinterliess etwas anderes ausdrücklich bestimmt hätte. Wer ehrlich und nicht geheuchelt Mitgefühl und Betroffenheit verspürt, kann - das ist mein ganz persönliches Empfinden - keine Veröffentlichung dessen anderenfalls wünschen, was ein Mensch in seinem vermutlich einsamsten Moment und zuletzt noch als Erklärung oder auch offen bleibender Erklärung hinterliess.

Welchen (jenseits allen Rechts, sondern menschlichen) Anspruch kann darüberhinaus "die Öffentlichkeit" geltend machen, dieses zum Allerprivatesten zählende an letzten Worten zu erfahren? Eine Öffentlichkeit, die sich ihm (und sei es noch so ehrlich verbunden fühlte, als Fans und Kollegen usw) ihm dennoch doch nicht nah genug stand, um auch nur im Entferntesten zu ahnen, wie ihm zumute gewesen sein mag oder dass er sich stattdessen oder zuvor anvertraut hätte können ? Woher nähme eine solche Öffentlichkeit das Recht, Antworten auf Fragen zu bekommen, die - wie nicht nur bei prominenten Menschen - nicht selten nicht einmal die nächsten Angehörigen und Freunde mit oder ohne Abschiedsbrief finden können?

Ich möchte keine Angehörigen in der Situation oder dem Druck sehen, sich nach einem veröffentlichtem Brief , quasi rechtfertigen zu müssen, vor die Frage gestellt.... ob sie nicht wussten und warum...weshalb.... die sich selbst genug mit dieser Frage auseinandersetzen. Oder warum ein Mensch sich nicht mehr helfen lassen wollte oder konnte oder sich dabei nicht mehr zu helfen wusste.

Wer braucht wirklich einen Kompass, um trotz und gerade, weil er mitfühlen kann, zu wissen, wie er selbst sich den Umgang der Medien mit dieser Frage wünschen würde?

Sandmuschelchen 11.11.2009, 08.14

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Kommentare zu diesem Beitrag

1. von Karin

Ich sehe das genauso. Ich möchte auch nicht wissen, was genau in dem Abschiedsbrief gestanden hat. Ein Abschiedsbrief ist immer eine private Sache des Verfassers und seiner nächsten Angehörigen, an die sich dieser richtet. Ich halte nichts davon, wenn so etwas (womöglich auf Bildzeitungsniveau) von den Medien ausgeschlachtet wird. So gesehen sind auch die Beweggründe, weshalb er seinem Leben ein Ende gesetzt hat, Privatsache.
LG Karin

vom 11.11.2009, 23.39