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Vom Schönen Turm




Das Krächzen einer Elster schien zu hören zu sein, als ich zu den Zinnen und Erkern hochblickte, zu den Figuren, den Fratzen, die in Stein gemeisselt dort auf mich herabblickten.

Und da fiel sie mir wieder ein, die Geschichte aus Alter Zeit, die in einer der ersten Lesefibeln gestanden hatte, in der zweiten Schulklasse.....


Die Geschichte vom Goldschmied am Schönen Turm.

 

Wo in München die

Kaufingerstrasse in die Neuhauser Strasse übergeht, vor dem heutigen Gebäude Kaufingerstrasse 28 (dem heutigen Geschäftshaus von HIRMER) stand in Alter Zeit das Kufringertor, auch Schöner Turm genannt. Der stand dort von 1479 bis 1807. Schon zuvor hatte dort ab 1175 ein anderer Turm gestanden, als Teil der ersten Stadtbefestigung, der aber weitgehend vor 1479 abgerissen wurde. Seinen Namen hatte er von vielen und schmuckreichen Fresken.

Am Gebäude der Kaufingerstrasse 28 sieht man noch heute eine Steinfigur, gebeugt und ein Abbild des Turmes tragend, genau an der Ecke des Anwesens. Es ist die Geschichte eines Justizirrtums, welche hinter der Statue steht.

 

An besagtem Schönen Turm hatte ein ehrbarer und tüchtiger Goldschmied seine Werkstatt. Eines Tages brachte ein vornehmer Herr ein kostbares Geschmeide und verlangte, dass ihm ein gleiches gefertigt werde. Freudig machte der Goldschmied sich ans Werk. Es war Sommerzeit und so hielt man in der Altstadt in München üblicherweise die Fenster offen. Eines Tages kam er von der Mittagszeit zurück und musste feststellen, dass das kostbare Schmuckstück verschwunden war. Alles Suchen blieb vergeblich. Der Reiche Kunde verklagte schliesslich den Meister vor dem Richter. Hoch und heilig beschwor er seine Unschuld, doch vergebens. Da die Haustüre nicht aufgebrochen worden war, glaubte ihm niemand und er wurde zum Tode verurteilt. Auf dem Wege zur Hinrichtung kam er an seiner Werkstatt vorbei. Gebückten Hauptes ging er durch den Schönen Turm, als das Armesünderglöckchen geläutet wurde. Da hob er sein Haupt und sprach „Meine Stimme verhallt wie dieses Glöckchen und kein Mensch will mir glauben. So wahr es jeder hört, so sicher kommt meine Unschuld noch an den Tag. Doch dann wird es zu spät sein.“

Einige Wochen, nachdem man ihn ausserhalb der Stadtmauer begraben hatte, musste der Schöne Turm ausgebessert werden. Ein Maurer stieg zuoberst ins Glockentürmchen. Da flog eine Dohle auf und aus dem Dachfenster. Neugierig lugte der Mann ins Nest und fand darin ein glänzendes Geschmeide. Sogleich brachte er es als ehrlicher Finder zum Richter. Der herbeigerufene Herr erkannte das Geschmeide als das Seinige und es stellte sich heraus, dass die diebische Dohle durch das Fenster beim Goldschmied eingeflogen sein musste. Feierlich überführten daraufhin die Bürger den unschuldig Hingerichteten in den Friedhof am Frauenbergl. Die Wahrheit kam ans Licht. Aber es war zu spät.

Sandmuschelchen 18.11.2008, 04.12

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Kommentare zu diesem Beitrag

1. von Inge aus HH

Liebe Liz,

wunderschön rübergebracht. Dein Blog tut mir immer so gut und er ist mir unwahrscheinlich wertvoll geworden. Hab Dank dafür.

Gute Nacht, Inge


vom 18.11.2008, 22.31
Antwort von Sandmuschelchen:

Liebe Inge, das freut mich aufrichtig und sehr - DANKE Dir vielmals herzlichst.
:-)