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Ich zeig Dir meins, zeig Du mir Deins: meinen Kirchturm
Ruthie von Rosenruthie möchte gern für dieses Projekt
"meinen Kirchturm" sehen. Das muss ich ein bisserl extensiv auslegen, wie
wir Juristen das so blümerant zu formulieren wissen. Soll heissen:
dehnend interpretieren. Weil : von meiner Burg aus kann ich keinen sehen.
Es gibt hier ein paar Kirchtürme rund um das Meggendörfchen und nur wenige Strassen weiter gleich beim Pelkovenschlössl finden sich die beiden Kirchen der Pfarrei St. Martin. Die Alte St Martinskirche und die neuere Kirche St Martin, mit ihrer sehr interessanten Geschichte, die man auch in der Alten Martingskirche buchstäblich zT in Stein gemeisselt lesen kann. Die Alte St Martinskirche ist die älteste noch bestehende Kirche Münchens. (Im Gegensatz zB zum Alten Peter, der anstelle der dort ersten Kirche Münchens auf dem Petersbergl errichtet wurde).
Aber keinen davon habe ich emotional adoptiert, um ihn als "meinen" zu bezeichnen. Ohnehin finde ich es schon bemerkenswert, wie schnell das Wort "Kirche" gleich zum Reizthema mutiert, ob in der aktuellen öffentlichen Diskussion um Käßmann oder die Haltung und Hemmung der katholischen Kirche nach den jüngsten Geschehnissen. Und wie schnell mit Vor-Urteilen und Schubladen-Sortieren bei der Hand ist, wenn man allein das Stichwort "Kirche" in den Mund, pardon: den Blog oder das Gezwitscher nimmt. Wenig kann so arg polarisieren. So scheint es auch zu sein, wenn man von "meinem" Kirchturm spricht - als bringe man damit nicht nur eine rein örtlich naheliegende Gebäudeart insThema, sondern auch gleich eine Wertung, Positionierung, die über die reine geographische Position hinausgeht. Ich warne also vor Fehlinterpretationen. ;-)
Ich könnte nun den der Kirche wählen, in der ich getauft bin. Die ich mag, weil sie so schlicht und auf das Minimale reduziert ist. Wie ich überhaupt zwar aus Interesse auch Barock- oder Rokkokokirchen besuche - aber romanische und gotische Kirchen lieber mag. Wenig Schnörkel. Vielleicht auch deshalb: Mein Grossvater hatte die Einstellung und prägte mich sicher bei unseren vielen Wegen durch Wald und Berge oder auch daheim in der Wohnkuchl wenn wir mitsammen sprachen, dass man keine Kirche (weder die Institution noch das Gebäude) brauche, wenn man mit seinem Herrgott was zu reden habe. Oder um gläubig zu sein - wenn man das sein wolle, was jeder mit sich selbst abzumachen und vor niemandem zu rechtfertigen habe. Und schon gar nicht gebe es eine richtige oder falsche Konfession. Am nächsten sei man dem Herrgott eh, wenn man in die Natur, in die Berge oder einfach in den Wald gehe. Und wenn man was mit sich oder dem Herrgott was zu klären habe. Als Kind habe ich Beispiele der Intoleranz von Katholiken gegenüber "den Lutherischen", den "Evangelischen" , den "Ketzern" erlebt und manche Geschichte der Generationen vor mir in unserer Familie wusste davon auch zu erzählen. Ketzerisch war man da schon, nur weil man einen andere Konfession hatte. Anders denken - denn das ist eine andere Konfession eben auch - war also schon ketzerisch? Nun - eine eigene Meinung haben, selber denken, SICH eine Meinung bilden, nicht die anderer einfach kopieren, ist m.E. nicht tadelnswert. Das kann auch Gold und Barock und Rokkoko nicht vergolden. Nicht mit Gold blenden. Sowenig wie Meinung käuflich ist. Mich hat daher noch nie Prunk und Pracht von Kirchen beeindruckt, die gleichzeitig nicht nur in der Historie andersdenkende oder andersgläubige unterdrückte und benachteiligte und ausgrenzte oder verfolgte sondern selbst noch in meiner Kindheit in Schulen und Kirchen und im Alltagsleben als schädlichen Einfluss ansah und sogar Klassen konfessionell trennte. Meinungsvielfalt statt Meinungsgleichmacherei, Meinungsfreiheit auch für Minderheitenmeinungen und deren Schutz - wenn das Ketzerei ist, nun denn. Dann gern. Dann adelt es, Ketzer zu sein bzw genannt zu werden. ;-)
Und als ich dann ausbildungs- und berufsbedingt auch das GG detaillierter zu er- und bearbeiten hatte, fand ich es äusserst wohltuend, dass und was und wie da unsere Verfassungsväter Grundrechte formuliert und gesichert haben. Und dass und wie auch das BVerfG diese dankenswerterweise stets anwednete und interpretierte. Auch und vor allem bei den sog. negativen Freiheitsrechten - sich NICHT äussern oder bekennen zu müssen. Ob zu allgemeinen Fragen, gesellschaftspolitischen, religiösen, politischen, auch gesundheitspolitischen. Das ist auch ein Teil der Grundrechte, der Privatsphäre, die man bei allen Bestrebungen, alles und jedes auf Chipkarten, Ausweisen und Gesundheitskarten speichern und angeblich SICHERn zu wollen, weil es "nützlich" sei, verfügbar mache, übersehen wird: Dass das ein Verlust eben dieser Freiheiten, Freiräume und Freiheitsrechte ist. Und den Menschen mehr als wirklich nützlich und nutzbringend, mehr als vorteilhaft, statt nachteilig verfügbar macht. Anderen Verfügungsmöglichkeiten einräumt. Die er nicht mehr selbst im Griff hat. Nicht mehr selbst entscheiden kann, was und wieviel er im Einzelfall verfügbar machen will oder wieder rückgängig machen. Auch unter dem Blickwinkel von Datenschutz und gläserner Verfügbarkeit des Menschen. Der immer mehr zum Objekt, anstatt zum autonomen Subjekt werden kann damit. Was für eine eigentümliche Entwicklung nachdem noch vor Jahren vor dem Bundesverfassungsgericht beim Volkszählungsurteil gegen eben jene und noch weitere Datenerfassung und Datenöffnung und Auswertung gefochten wurde. Nicht alles kann, muss und sollte man jederzeit offen verfügbar sein lassen...müssen. Das ist der Kern und der Wesensgehalt der sog. negativen Meinungs- oder Glaubensfreiheiten.
Evangelisch zu sein in katholisch geprägtem Umfeld. Als eines der ersten Mädels in München auf ein mathematisch-naturwissenschaftliches Gymnasium zu gehen - das erste reine Mädelsgymnasium dieses Zweigs. Weil man lernen will, was man wissen will. Einfach nur weil man Spass daran hat. Anders sein ist nichts anderes als SEIN. Wie man ist. Wie man denkt. Anders sein standhalten - ist EIN wichtiger Schritt zu werden was man ist. Wie ein kluger Mensch mal sagte ist das eben das Schwierigste für die meisten Menschen. Die viel zu sehr werden wollen, was andere sind. Oder erreicht haben. Status. Position. Vermögen. Und sich für diese keine eigene Meinung bilden, sondern sie in den Wind nach der Fahne anderer hängen. Und sich damit auch keine eigene leisten. Leisten könne, wenn sie nur die Meinungslemminge anderer sind. Egal ob deren Ansichten richtig oder fair oder gerecht oder hilfreich oder überzeugend sind.
Äusserliche Schlichtheit erleichtert auch bei Kirchen die Konzentration auf das Wesentliche.
„Allen ist das Denken erlaubt – viele ersparen es sich.“ [Curt Goetz]
„Wohin Du Deine Aufmerksamkeit richtest, dahin geht auch Deine Lebenskraft –
Es gibt genug WIRKLICH Lohnendes." (Lizchen werimmerdasist ;-))
Um Toleranz zu leben, braucht es manchmal unverstellten Blick. Unverschnörkelte Kirchen,.... oder schlicht Raum.. Und wie man ihn mit Worten und Werten füllt, die zu leben und nicht zu kaufen sind.
Meine Taufkirche ist ein solch ganz schlichter Raum. Eine schlichte Holzkanzel und ein dreiteiliges Glasmosaikfenster sind die einzigen auffälligen Elemente und Schmuck vis-à-vis den moosgrünen Kirchenholzbänken, Pforte und Orgelempore.





Ich könnte auch den Kirchturm wählen, in dessen Kirche ich meine erste Rede vor einigen hundert Menschen hielt. Mit 14 anlässlich meiner Konfirmation, bei welcher mich am Vorabend kurzfristig der Pfarrer anrief und mich bat, das Evangelium in der proppenvollen Kirche vorzutragen, das er ausgesucht hatte. Eine Bitte, die ich zum Schrecken meiner Familie völlig ruhig annahm, die selbst um nix in der Welt allein vor hunderten Menschen der gefüllten Kirche ein Wort herauszubringen glaubten. In Anbetracht meiner späteren Berufstätigkeit ist das rückblickend in mehrfacher Hinsicht fast symbolisch - vor Herausforderungen sowenig zu kneifen, wie vor der Überwindung, egal vor wievielen Menschen etwas auszusprechen, von dem man weiss, dass man vielleicht allein mit seiner Meinung sein wird. Und buchstäblich dazu zu stehen. Allein, vis-à-vis der anderen. (Nicht die schlechteste erste Übung für eine §§Schubbserin, egal ob für Gerichtssaal oder Vortragspflichten bei auch kontroversen Themen). Aber das ahnte ich natürlich da noch nicht. Höchstens mein Pfarrer Schneider (links hinten)

- der wie manche Lehrer wusste und selbst zur Silberkonfirmation augenzwinkernd in

Erinnerung rief, dass ich gelegentlich durch meine gegen den mainstream und die Meinung der Masse durchbrechende Fragen oder Meinung auffiel.

Dass das Gemeindeblatt ungeachtet der so südlichen Lage und der ebenfalls ganz süddeutschen Urheberschaft der Texte NORDLICHT hiess und heisst, ist bei meiner erst lang späteren Liebe zum Segeln, zur Küste und den Inseln ein - heute - ebenfalls erheiternd.
Oder ich könnte die Kirche wählen, die ich mir aussuchte und in welcher ich "vor ein paar Jahren" geheiratet hatte.
Jede davon mag ich nach wie vor. Wie auch manche Kirchen, die entlang meines Weges durch die Jahre begleiteten. Im Gegensatz zu den drei bereits genannten Kirchen habe ich bei den weiteren eigentlich nie danach unterschieden, ob sie meiner Konfession entsprachen. Sondern danach, wie ich mich darin fühlte. Und wie deren Glockengeläut klingt. So war ich während meines Studiums in Regensburg auch gelegentlich gern auf einem Sprung in den Dom, auf den ich von meinem ersten Studentenzimmer auf der Donauinsel uneingeschränkten Blick hatte. Ich lieb[t]e den Dom zu jeder Jahreszeit und von jedem Blickpunkt aus Regensburg und von rund um Regensburg aus und den Genuss jeden Geläutes des Domes und der anderen Kirchen.
MEINE Kirchen und deren Türme habe ich immer nach Bauchgefühl ausgesucht. Und adoptiert. Das galt dann für die Kapellen der Einrichtungen, die ich mir aussuchte, wenn es um Lebensmomente oder Lebensphasen mit dbmS ging. Wie die Entbindungsklinik St Hedwig in Regensburg, den Kindergarten St Rita und die Schule, die ich für dbmS ausgesucht hatte - und für die ich mich entschied, nachdem ich dort hin gegangen bin - und beim Eintreten und Umsehen in diesen Häusern jeweils sofort wusste "Hier ist es richtig." Und das galt auch für die Einrichtungen ebenso wie für die dazu gehörenden Kapellen - von Anfang der Grundschule bis zum Ende der Zeit mit dem Abi dbmS im vergangenen Jahr dort, in denen er auf eigenen Wunsch auch eben in der dortigen Kapelle seine eigene Konfirmation wünschte.
Ähnlich bei der kleinen Kirche und ihrem Turm an meinem See im Blauen Land. Oder eine der Kirchen auf meinern Lieblingsinseln, die mir sofort im Herz eingewachsen sind, wie u.a. diese hier. Auch am Ammersee gibt es eine romanisch anmutende Kirche mit Säulen, die ich seit dem ersten Betreten unglaublich schön und faszinierend wohltuend empfand: das ist die Winterkirche St. Stephan mit ihrer wunderschönen Atmosphäre in der uralten Klosterstallung durch die Fensterfront der grossen bis zum Boden reichenden Bogenfenstern, die den Blick nach draussen und eine meditativ leise und angenehme Lichtstimmung nach drinnen schenken. Eine Kirche, die von den meisten Menschen übersehen wird, wenn sie das barocküberladene Sakralschmuckstückerl Marienmünster dort besuchen.
Aber es gibt bei allen erwähnten Kirchen und Kirchtürmen, zu denen mich viel verband und verbindet, eine Kirche und deren Kirchturm, die sich aber durch alles wie eine Spur zieht und gleichbleibend immer parallel zu allen anderen Kirchtürmen auf dem Weg da war und ist und eine special Bedeutung hat, fest verwurzelt bei mir, wie ihr Turm auf dem Bergl, auf dem er steht. Und das ist "mein Alter Peter". Er ist auch überhaupt mein Lieblingsturm in meiner Stadt. Die Pfarrkirche St Peter am Petersbergerl ist die älteste Pfarrkirche in München. Und bereits hundert Jahre vor der eigentlichen Gründung Münchens durch Heinrich den Löwen im Jahre 1158 bestand nachweislich die erste Peterskirche auf dem Petersbergl, dem höchsten Punkt der Altstadt. Sie hat standgehalten durch Zeit und Wandel. Herausragend und aufrecht auch gegen Brand und Blitzeinschläge. Ist wunderbar unprätentiös und ohne allzu überladenden Schmuck. Innen wie aussen. Ihr Lied, die Melodie, die seit Kindesbeinen auch mit Radio und BR verbunden ist, liebe ich unvermindert. Leider findet man keine wirklich schöne Langversion zum Verlinken, nur die Version hier, die seit den 80er Jahren lief. Es ging am 13. Januar 1948 als Pausenzeichen des Bayerischen Rundfunks auf Sendung, allerdings ohne die letzte Silbe -ter beim "Peter", nur die ersten Takte des Liedes "Solang der alte Peter", um an die Zerstörung der Kirche zu erinnern. Erst ab 28. Oktober 1951 und dem vollständigen Aufbau der Münchner Peterskirche sendet der BR das Pausenzeichen mit der vollständigen Erkennungsmelodie "Solang der alte Peter".
Als Kind bin ich manches Mal, wenn ich in München allzu arg "Heimweh" nach den Bergen oder meinem Geburtsort und den dortigen Ferien bei meinen Grosseltern hatte, die 306 Stufen auf 91 m Höhe des Turms in Schulfreistunden hinaufgestiegen - um mir von dort oben bei rund 100 km Fernsicht weit über die Stadt hinaus den Wind um die Nase gehen zu lassen und klaren Kopf zu bekommen. Das bekommt man dort zwangsläufig, denn Wind hat's dort fast an allen Tagen des Jahres tüchtig. Und vielleicht liegt's auch an den 306 Stufen rauf und 306 wieder runter, dass man sich danach gleich immer eh a bisserl leichter fühlt ;-))) Der Kopf frei, wenn man frei und auch im stürmischen Wind da oben den Überblick hat, wieder gewinnt, wieder reüssiert. Ein bisserl wie ein Weg auf den Berg. Mit ähnlich freiem, Freiheit und gedankliche Freiheit spürbar machenden Blick rundum.
[ Tip: Wem das ned g'langt, der kann nur wenige Meter entfernt auch noch auf den einen der beiden Türme der Liebfrauenkirche, unseren Münchner Dom steigen. ].

Für mich hat sie (click) zudem das schönste Glockengeläut in München überhaupt.

Aber keinen davon habe ich emotional adoptiert, um ihn als "meinen" zu bezeichnen. Ohnehin finde ich es schon bemerkenswert, wie schnell das Wort "Kirche" gleich zum Reizthema mutiert, ob in der aktuellen öffentlichen Diskussion um Käßmann oder die Haltung und Hemmung der katholischen Kirche nach den jüngsten Geschehnissen. Und wie schnell mit Vor-Urteilen und Schubladen-Sortieren bei der Hand ist, wenn man allein das Stichwort "Kirche" in den Mund, pardon: den Blog oder das Gezwitscher nimmt. Wenig kann so arg polarisieren. So scheint es auch zu sein, wenn man von "meinem" Kirchturm spricht - als bringe man damit nicht nur eine rein örtlich naheliegende Gebäudeart insThema, sondern auch gleich eine Wertung, Positionierung, die über die reine geographische Position hinausgeht. Ich warne also vor Fehlinterpretationen. ;-)
Ich könnte nun den der Kirche wählen, in der ich getauft bin. Die ich mag, weil sie so schlicht und auf das Minimale reduziert ist. Wie ich überhaupt zwar aus Interesse auch Barock- oder Rokkokokirchen besuche - aber romanische und gotische Kirchen lieber mag. Wenig Schnörkel. Vielleicht auch deshalb: Mein Grossvater hatte die Einstellung und prägte mich sicher bei unseren vielen Wegen durch Wald und Berge oder auch daheim in der Wohnkuchl wenn wir mitsammen sprachen, dass man keine Kirche (weder die Institution noch das Gebäude) brauche, wenn man mit seinem Herrgott was zu reden habe. Oder um gläubig zu sein - wenn man das sein wolle, was jeder mit sich selbst abzumachen und vor niemandem zu rechtfertigen habe. Und schon gar nicht gebe es eine richtige oder falsche Konfession. Am nächsten sei man dem Herrgott eh, wenn man in die Natur, in die Berge oder einfach in den Wald gehe. Und wenn man was mit sich oder dem Herrgott was zu klären habe. Als Kind habe ich Beispiele der Intoleranz von Katholiken gegenüber "den Lutherischen", den "Evangelischen" , den "Ketzern" erlebt und manche Geschichte der Generationen vor mir in unserer Familie wusste davon auch zu erzählen. Ketzerisch war man da schon, nur weil man einen andere Konfession hatte. Anders denken - denn das ist eine andere Konfession eben auch - war also schon ketzerisch? Nun - eine eigene Meinung haben, selber denken, SICH eine Meinung bilden, nicht die anderer einfach kopieren, ist m.E. nicht tadelnswert. Das kann auch Gold und Barock und Rokkoko nicht vergolden. Nicht mit Gold blenden. Sowenig wie Meinung käuflich ist. Mich hat daher noch nie Prunk und Pracht von Kirchen beeindruckt, die gleichzeitig nicht nur in der Historie andersdenkende oder andersgläubige unterdrückte und benachteiligte und ausgrenzte oder verfolgte sondern selbst noch in meiner Kindheit in Schulen und Kirchen und im Alltagsleben als schädlichen Einfluss ansah und sogar Klassen konfessionell trennte. Meinungsvielfalt statt Meinungsgleichmacherei, Meinungsfreiheit auch für Minderheitenmeinungen und deren Schutz - wenn das Ketzerei ist, nun denn. Dann gern. Dann adelt es, Ketzer zu sein bzw genannt zu werden. ;-)
Und als ich dann ausbildungs- und berufsbedingt auch das GG detaillierter zu er- und bearbeiten hatte, fand ich es äusserst wohltuend, dass und was und wie da unsere Verfassungsväter Grundrechte formuliert und gesichert haben. Und dass und wie auch das BVerfG diese dankenswerterweise stets anwednete und interpretierte. Auch und vor allem bei den sog. negativen Freiheitsrechten - sich NICHT äussern oder bekennen zu müssen. Ob zu allgemeinen Fragen, gesellschaftspolitischen, religiösen, politischen, auch gesundheitspolitischen. Das ist auch ein Teil der Grundrechte, der Privatsphäre, die man bei allen Bestrebungen, alles und jedes auf Chipkarten, Ausweisen und Gesundheitskarten speichern und angeblich SICHERn zu wollen, weil es "nützlich" sei, verfügbar mache, übersehen wird: Dass das ein Verlust eben dieser Freiheiten, Freiräume und Freiheitsrechte ist. Und den Menschen mehr als wirklich nützlich und nutzbringend, mehr als vorteilhaft, statt nachteilig verfügbar macht. Anderen Verfügungsmöglichkeiten einräumt. Die er nicht mehr selbst im Griff hat. Nicht mehr selbst entscheiden kann, was und wieviel er im Einzelfall verfügbar machen will oder wieder rückgängig machen. Auch unter dem Blickwinkel von Datenschutz und gläserner Verfügbarkeit des Menschen. Der immer mehr zum Objekt, anstatt zum autonomen Subjekt werden kann damit. Was für eine eigentümliche Entwicklung nachdem noch vor Jahren vor dem Bundesverfassungsgericht beim Volkszählungsurteil gegen eben jene und noch weitere Datenerfassung und Datenöffnung und Auswertung gefochten wurde. Nicht alles kann, muss und sollte man jederzeit offen verfügbar sein lassen...müssen. Das ist der Kern und der Wesensgehalt der sog. negativen Meinungs- oder Glaubensfreiheiten.
Evangelisch zu sein in katholisch geprägtem Umfeld. Als eines der ersten Mädels in München auf ein mathematisch-naturwissenschaftliches Gymnasium zu gehen - das erste reine Mädelsgymnasium dieses Zweigs. Weil man lernen will, was man wissen will. Einfach nur weil man Spass daran hat. Anders sein ist nichts anderes als SEIN. Wie man ist. Wie man denkt. Anders sein standhalten - ist EIN wichtiger Schritt zu werden was man ist. Wie ein kluger Mensch mal sagte ist das eben das Schwierigste für die meisten Menschen. Die viel zu sehr werden wollen, was andere sind. Oder erreicht haben. Status. Position. Vermögen. Und sich für diese keine eigene Meinung bilden, sondern sie in den Wind nach der Fahne anderer hängen. Und sich damit auch keine eigene leisten. Leisten könne, wenn sie nur die Meinungslemminge anderer sind. Egal ob deren Ansichten richtig oder fair oder gerecht oder hilfreich oder überzeugend sind.
Äusserliche Schlichtheit erleichtert auch bei Kirchen die Konzentration auf das Wesentliche.
„Allen ist das Denken erlaubt – viele ersparen es sich.“ [Curt Goetz]
„Wohin Du Deine Aufmerksamkeit richtest, dahin geht auch Deine Lebenskraft –
Es gibt genug WIRKLICH Lohnendes." (Lizchen werimmerdasist ;-))
Um Toleranz zu leben, braucht es manchmal unverstellten Blick. Unverschnörkelte Kirchen,.... oder schlicht Raum.. Und wie man ihn mit Worten und Werten füllt, die zu leben und nicht zu kaufen sind.
Meine Taufkirche ist ein solch ganz schlichter Raum. Eine schlichte Holzkanzel und ein dreiteiliges Glasmosaikfenster sind die einzigen auffälligen Elemente und Schmuck vis-à-vis den moosgrünen Kirchenholzbänken, Pforte und Orgelempore.





Ich könnte auch den Kirchturm wählen, in dessen Kirche ich meine erste Rede vor einigen hundert Menschen hielt. Mit 14 anlässlich meiner Konfirmation, bei welcher mich am Vorabend kurzfristig der Pfarrer anrief und mich bat, das Evangelium in der proppenvollen Kirche vorzutragen, das er ausgesucht hatte. Eine Bitte, die ich zum Schrecken meiner Familie völlig ruhig annahm, die selbst um nix in der Welt allein vor hunderten Menschen der gefüllten Kirche ein Wort herauszubringen glaubten. In Anbetracht meiner späteren Berufstätigkeit ist das rückblickend in mehrfacher Hinsicht fast symbolisch - vor Herausforderungen sowenig zu kneifen, wie vor der Überwindung, egal vor wievielen Menschen etwas auszusprechen, von dem man weiss, dass man vielleicht allein mit seiner Meinung sein wird. Und buchstäblich dazu zu stehen. Allein, vis-à-vis der anderen. (Nicht die schlechteste erste Übung für eine §§Schubbserin, egal ob für Gerichtssaal oder Vortragspflichten bei auch kontroversen Themen). Aber das ahnte ich natürlich da noch nicht. Höchstens mein Pfarrer Schneider (links hinten)

- der wie manche Lehrer wusste und selbst zur Silberkonfirmation augenzwinkernd in

Erinnerung rief, dass ich gelegentlich durch meine gegen den mainstream und die Meinung der Masse durchbrechende Fragen oder Meinung auffiel.

Oder ich könnte die Kirche wählen, die ich mir aussuchte und in welcher ich "vor ein paar Jahren" geheiratet hatte.
Jede davon mag ich nach wie vor. Wie auch manche Kirchen, die entlang meines Weges durch die Jahre begleiteten. Im Gegensatz zu den drei bereits genannten Kirchen habe ich bei den weiteren eigentlich nie danach unterschieden, ob sie meiner Konfession entsprachen. Sondern danach, wie ich mich darin fühlte. Und wie deren Glockengeläut klingt. So war ich während meines Studiums in Regensburg auch gelegentlich gern auf einem Sprung in den Dom, auf den ich von meinem ersten Studentenzimmer auf der Donauinsel uneingeschränkten Blick hatte. Ich lieb[t]e den Dom zu jeder Jahreszeit und von jedem Blickpunkt aus Regensburg und von rund um Regensburg aus und den Genuss jeden Geläutes des Domes und der anderen Kirchen.
MEINE Kirchen und deren Türme habe ich immer nach Bauchgefühl ausgesucht. Und adoptiert. Das galt dann für die Kapellen der Einrichtungen, die ich mir aussuchte, wenn es um Lebensmomente oder Lebensphasen mit dbmS ging. Wie die Entbindungsklinik St Hedwig in Regensburg, den Kindergarten St Rita und die Schule, die ich für dbmS ausgesucht hatte - und für die ich mich entschied, nachdem ich dort hin gegangen bin - und beim Eintreten und Umsehen in diesen Häusern jeweils sofort wusste "Hier ist es richtig." Und das galt auch für die Einrichtungen ebenso wie für die dazu gehörenden Kapellen - von Anfang der Grundschule bis zum Ende der Zeit mit dem Abi dbmS im vergangenen Jahr dort, in denen er auf eigenen Wunsch auch eben in der dortigen Kapelle seine eigene Konfirmation wünschte.
Ähnlich bei der kleinen Kirche und ihrem Turm an meinem See im Blauen Land. Oder eine der Kirchen auf meinern Lieblingsinseln, die mir sofort im Herz eingewachsen sind, wie u.a. diese hier. Auch am Ammersee gibt es eine romanisch anmutende Kirche mit Säulen, die ich seit dem ersten Betreten unglaublich schön und faszinierend wohltuend empfand: das ist die Winterkirche St. Stephan mit ihrer wunderschönen Atmosphäre in der uralten Klosterstallung durch die Fensterfront der grossen bis zum Boden reichenden Bogenfenstern, die den Blick nach draussen und eine meditativ leise und angenehme Lichtstimmung nach drinnen schenken. Eine Kirche, die von den meisten Menschen übersehen wird, wenn sie das barocküberladene Sakralschmuckstückerl Marienmünster dort besuchen.
Aber es gibt bei allen erwähnten Kirchen und Kirchtürmen, zu denen mich viel verband und verbindet, eine Kirche und deren Kirchturm, die sich aber durch alles wie eine Spur zieht und gleichbleibend immer parallel zu allen anderen Kirchtürmen auf dem Weg da war und ist und eine special Bedeutung hat, fest verwurzelt bei mir, wie ihr Turm auf dem Bergl, auf dem er steht. Und das ist "mein Alter Peter". Er ist auch überhaupt mein Lieblingsturm in meiner Stadt. Die Pfarrkirche St Peter am Petersbergerl ist die älteste Pfarrkirche in München. Und bereits hundert Jahre vor der eigentlichen Gründung Münchens durch Heinrich den Löwen im Jahre 1158 bestand nachweislich die erste Peterskirche auf dem Petersbergl, dem höchsten Punkt der Altstadt. Sie hat standgehalten durch Zeit und Wandel. Herausragend und aufrecht auch gegen Brand und Blitzeinschläge. Ist wunderbar unprätentiös und ohne allzu überladenden Schmuck. Innen wie aussen. Ihr Lied, die Melodie, die seit Kindesbeinen auch mit Radio und BR verbunden ist, liebe ich unvermindert. Leider findet man keine wirklich schöne Langversion zum Verlinken, nur die Version hier, die seit den 80er Jahren lief. Es ging am 13. Januar 1948 als Pausenzeichen des Bayerischen Rundfunks auf Sendung, allerdings ohne die letzte Silbe -ter beim "Peter", nur die ersten Takte des Liedes "Solang der alte Peter", um an die Zerstörung der Kirche zu erinnern. Erst ab 28. Oktober 1951 und dem vollständigen Aufbau der Münchner Peterskirche sendet der BR das Pausenzeichen mit der vollständigen Erkennungsmelodie "Solang der alte Peter".
Als Kind bin ich manches Mal, wenn ich in München allzu arg "Heimweh" nach den Bergen oder meinem Geburtsort und den dortigen Ferien bei meinen Grosseltern hatte, die 306 Stufen auf 91 m Höhe des Turms in Schulfreistunden hinaufgestiegen - um mir von dort oben bei rund 100 km Fernsicht weit über die Stadt hinaus den Wind um die Nase gehen zu lassen und klaren Kopf zu bekommen. Das bekommt man dort zwangsläufig, denn Wind hat's dort fast an allen Tagen des Jahres tüchtig. Und vielleicht liegt's auch an den 306 Stufen rauf und 306 wieder runter, dass man sich danach gleich immer eh a bisserl leichter fühlt ;-))) Der Kopf frei, wenn man frei und auch im stürmischen Wind da oben den Überblick hat, wieder gewinnt, wieder reüssiert. Ein bisserl wie ein Weg auf den Berg. Mit ähnlich freiem, Freiheit und gedankliche Freiheit spürbar machenden Blick rundum.
[ Tip: Wem das ned g'langt, der kann nur wenige Meter entfernt auch noch auf den einen der beiden Türme der Liebfrauenkirche, unseren Münchner Dom steigen. ].

Für mich hat sie (click) zudem das schönste Glockengeläut in München überhaupt.

Sandmuschelchen 28.02.2010, 16.59 | (1/1) Kommentare (RSS) | TB | PL | einsortiert in: Komplizen
Ich zeig Dir meins, zeig Du mir Deins: aufbewahrte Karte
Karin vom Photozauber möchte gern für das Projekt
eine Karte sehen, die ich aufgehoben habe. Berufsbedingt wird bei mir alle 7 Jahre zum Jahreswechsel jede Menge Post vernichtet. Das ist die zwischen Aktendeckeln. Das ist eine angenehme Aufgabe. Sie bewegt sich in den Rahmendaten der Aufbewahrungspflicht und meinem inneren Ordnungssinn, in regelmässigen Abständen Ballast abzuwerfen. Weil der nur lähmt. Beim Ballonfahren, Segeln, im Alltag. Auf einem meiner Gene sitzt eins, das hört auf den Namen "Simplify Your Day". Es hat einen Konkurrenten, der manches nicht einfach über Bord werfen mag. Aus mancherlei Gründen. Dem lasse ich ein bisschen Leine im Privaten. Da wird zwar von Zeit zu Zeit auch in alter Post aussortiert. Aber doch von manchen Menschen Karten und Briefe aufbewahrt und landet nach Absendern sortiert mit hübschen Bändern und Segelknoten verschnürlt in geeigneten Archivschachterln. Neuzugänge leben auch eine Zeitlang gern als Lesezeichen der aktuellen Bücher auf dem Lesesofa oder zwinkern mir vom Briefständer auf dem Schreibtisch - einem meiner Schreibtische - zu. Wie diese hier.
Die Wahl fiele für das Projekt fast schwer - und daher fiel sie auf die älteste und erste Karte, die ich besitze. Die zu meinem ersten Geburtstag. Sie stammt von meinen Grosseltern mütterlicherseits.

Voilà.
Mission erfüllt?
Die Wahl fiele für das Projekt fast schwer - und daher fiel sie auf die älteste und erste Karte, die ich besitze. Die zu meinem ersten Geburtstag. Sie stammt von meinen Grosseltern mütterlicherseits.

Voilà.
Mission erfüllt?
Sandmuschelchen 28.02.2010, 15.16 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in:
Ich zeig Dir meins, zeig Du mir Deins: Grünes u/o Rundes
Sabine vom Traumwindblog möchte für das Projekt
Voilà.

Hab ich die Aufgabe gemeistert ?
;-)
gerne etwas "Grünes und/oder Rundes" von mir gezeigt bekommen. Mir wären da durchaus ein paar neckische Interpretationen eingefallen, bei denen u.a. auch aus dem Foodie-Thema einiges anzubieten wäre. Wie zB das hier - eine Joghurt-Schmand-Mousse, mit Schichten innen von Lachs, Ei, Gurke und aussen lamellenartigem Kranzerl. Oder jenes kleine erfrischende Schmankerl. Entschieden habe ich mich dann aber doch für eines meiner special Models, von denen so manche grün und blau, grünlamelliert als Solistin oder grünleuchtendwarmposend oder fast grün pur als Untermieterin oder Hausbesetzerin und rund hier und da und auch dort herumkugelt.
Und sogar im Kräutergarterl wird es schon wieder bunt getrieben, kaum dass das erste Grün spriesst.
Und sogar im Kräutergarterl wird es schon wieder bunt getrieben, kaum dass das erste Grün spriesst.
Voilà.

Hab ich die Aufgabe gemeistert ?
;-)
Sandmuschelchen 28.02.2010, 12.00 | (2/1) Kommentare (RSS) | TB | PL | einsortiert in: Komplizen








